Im Schreibuniversum spricht jetzt alles vom Nanowrimo und sicher rauchen bereits bei vielen die Tasten. Um in einem Monat einen ganzen Roman fertig zu schreiben gilt es bis zum letzten November 50.000 Wörter zu tippen. Das wären also täglich rund 1666 Wörter bis 30. November. 

Ich habe mir ebenfalls vorgenommen meinen Roman endlich fertig zu schreiben. Täglich diese vorgegebene Wortanzahl zu schreiben und mich mit anderen zu messen, das wäre zwar sportlich, ist mir aber zu rechnerisch. Und wer mich kennt, der oder die weiß, ich habe es nicht so mit dem Rechnen. Auch mit ›ich bin die Erste‹ oder von mir aus auch Zehnte oder meinetwegen auch fünftausendste unter einer halben Million Teilnehmer kann ich nicht sehr viel anfangen. Ehrlich gesagt war ich noch nie dieser ›ich will unbedingt ganz vorne mit dabei sein‹ Typ. Oder besser gesagt hätte ich nichts dagegen mit ›vorne-mit-dabei‹ aber nicht mit Achtung-fertig-los und Startschuss und dann läuft die Uhr. Nein – diese Art zu schreiben oder arbeiten macht mir Stress und meuchelt meine Kreativität.

Die Frau Squenz meinte dazu: »Des wär jo grod a so, waunn i meine Erdäpfl von Ochte bis Zmittog im Akkord ausgrobm tät. Wos mochad i denn mid so an Haufn. De kennt i jo goa ned essn.«¹ 

Sie sehen, die Frau Squenz ist auch nicht so dieser Achtung-fertig-los-Typ. Aber was dann, habe ich mich gefragt? Denn ich kenne mich gut genug um zu wissen, dass es ab und an Störungen geben kann die mich aus dem Schreibgleis werfen können. 

Also: hier muss noch ein Blog geschrieben werden, dort fehlt noch eine Kurzgeschichte für den Newsletter, da lockt schönes Herbstwetter zum Spaziergang und hier ein spannendes Buch. Ich muss bestimmt nicht mehr Möglichkeiten von Ablenkungen aufzählen, ich denke Sie wissen schon was ich meine.

Was unter dem Strich aber bleibt ist: Der Roman muss fertig werden. Bis zum 31. Dezember! Jetzt, endlich! Das wäre doch gelacht! Sie sehen das ist jetzt ein commitment… öffentlich!

Darum habe ich bereits im Oktober mit diversen Schreibgruppen vorgesorgt. Denn gemeinsam schreibt es sich nicht nur leichter, sondern auch flüssiger. Die Frau Squenz versteht das ja nicht ganz: »Waunn a Orweid aunsteht, daunn moch is hoid und die Erdäpfl beschwern sie ned, waunn is stod heit erst murgn ausgrob.«²

Na ja, denke ich, mein Roman würde sich auch nicht beschweren, wenn er 2022 noch immer nicht fertig ist, aber diese Stimmen würden wahrscheinlich langsam laut werden, wie zum Beispiel: »Das wird sowieso nix … dieser Happen ist zu groß für dich … bleib lieber bei deinen Kurzgeschichten … das schaffst du nie …« usw. Sie wissen schon.

So weit lasse ich es aber nicht kommen. Normalerweise schreibe ich vormittags, da läuft es am Besten, aber nun habe ich mir weitere Schreibzeiten verordnet. Und zwar mit Gesellschaft, wie schon oben erwähnt! 

Das allerdings fand die Frau Squenz  auch eine gute Idee, denn sie würde die Kartoffel auch lieber gemeinsam statt einsam ausgraben. Vielleicht sollte ich ihr doch noch eine Figur als Gesellschaft zuschreiben? Andererseits hat sie ja schon die Reingard mit welcher sie hin und wieder Mensch-ärgere-dich-nicht spielt und den Ernstl, über den sie erzählen kann. Was jetzt wirklich zählt ist, ich will den Roman fertig schreiben und nicht noch eine Büchse aufmachen, um der Frau Squenz jemand ganz Neuen zur Seite zu stellen. Nein, es gibt jetzt Wichtigeres zu tun!

»I kum scho zrecht!«³, hat sie noch gesagt und obwohl ich den Eindruck hatte, dass sie ein bisschen beleidigt war, nehme ich sie beim Wort und kümmere mich ganz egoistisch um mein Vorhaben.

Mit Hilfe der Schreibwerkstatt von Yvonne Kraus von mynextself, den Schreibabenden von Treffpunktschreiben und den Schreibgruppen von Ana Znidar wird das bestimmt gelingen. Muss es! Denn die nächsten Roman-Ideen und Projekte warten schon, um auch endlich dran zu kommen. Das wäre doch wirklich gelacht, nicht wahr?

Zieleinlauf mit der Zahl 50000 darunter

¹»Das wäre ja dann gerade so, als ob ich meine Kartoffel von Acht bis Zwölf im Akkord ausgraben würde. Was tue ich denn mit so einem Haufen. Die könnte ich ja gar nicht essen.«

²»Wenn eine Arbeit ansteht, dann mache ich sie halt und die Kartoffel beschweren sich ja nicht, wenn ich sie statt heute erst morgen ausgrabe.«

³»Ich komme schon zurecht!«