Gar nicht selten kommt es vor, dass man sich mit der Berufswahl total vergaloppiert. 

Früher war es ja eher so, dass man eine Ausbildung gemacht hat, von der man sich dann ein Leben lang ernähren konnte.

Ich kann mich noch sehr genau an einen ehemaligen Schulkollegen erinnern der Tischler geworden ist, weil sein Vater eine Tischlerei hatte. Oder dass einer den Hof übernehmen musste, weil er der älteste Sohn war. Aber ich entsinne mich auch Freundinnen die unbedingt Sekretärin oder Lehrerin oder Friseurin werden wollten. Ehrlich gesagt habe ich keine Ahnung ob die ehemaligen MitschülerInnen in ihrem erlernten Beruf sesshaft geworden sind und inwieweit diese Wahl ihrem Wunsch oder Traum entsprochen hat. 

So wie ich es gekannt und erlebt habe, war es meistens eher so, dass man sich für eine Ausbildung entschieden hat, die eher mehr als weniger von den Eltern unterstützt wurde. Danach marschierte man als Erwachsene ins Leben hinaus. Meistens war das auch ein willkommener Schritt, um endlich auf eigenen Beinen zu stehen. Die Unabhängigkeit und eigenes Geld verdienen, standen im Vordergrund. 

Bei mir war das nicht anders. Endlich nicht bei allem fragen müssen: »Ich bräuchte…« oder »Darf ich…?« oder »ich wünsche mir…«, sondern in das eigene Portmonee greifen um mir einen Wunsch zu erfüllen. Herrlich! 

Das was ich mir tatsächlich beruflich gewünscht hätte war lange Zeit nur Wunschgedanke, Luftschloss, Spinnerei. Etwas auf jeden Fall von dem man nicht leben kann. Etwas, womit man sich allenfalls die Freizeit aufhübschen kann. 

Die Frau Squenz meinte dazu: »Na jo, owa so is es jo die Meisten gaungan. In meiner Jugend hod ma fia a Lehrstöl sogor wos zohln miassn und maunche hobm daunn irgendwas aundas mochn miassn, wal si des midm Göld ned ausgaungan is.«¹

Ja natürlich, denke ich und bin nachträglich auch froh, dass ich mir wenigstens aussuchen konnte was ich eigentlich nicht machen wollte und bin am Ende sogar dafür bezahlt worden. 

Heute, so scheint es, verwenden junge Leute viel mehr Zeit und Sorgfalt darauf welche ihrer Interessen und Talente sie beruflich nutzen wollen. Obwohl, auch heute liegen Wunsch und Wirklichkeit nicht selten weit auseinander. 

Ich jedenfalls habe ziemlich lange gebraucht, um zu erkennen was mir wirklich liegt und was mich glücklich macht. Die Frau Squenz hat Letzteres aber sofort zu beantworten gewusst: »Na die Natur natirlich. Und ohne Musik warad des Lebm a nur hoiwad so schen.«²

Da konnte ich ihr nur aus vollem Herzen beistimmen. Auch für mich löst das hinausgehen in den Wald, auf den Berg, in die Weite oder ein kleines Detail draußen, gleichermaßen Freude, Dankbarkeit und Demut in mir aus. Und ohne Musik scheint mir das Leben wahrhaftig arm und mangelhaft. 

Jetzt sitze ich da und denke darüber nach wodurch man nun Rechtsanwältin oder Buchhalter wird oder Malerin, Sänger, Künstlerin oder Schriftsteller. Letzteres hätte ich mir ja nie für mich erträumt. Ich wäre gar nicht auf die Idee gekommen. Jetzt aber bin ich hier und schreibe über die Frau Squenz und über mich oder denke mir Geschichten aus. 

»Jo, des kenn i ah«, sagte die Frau Squenz. »Wia i die Mundharmonika kriagd hob, hätt i ah ned denkd, dass i no so vü Spaß damit hobm kennt.«³ 

»Do foid ma ein, die Reingard hod friara wias no a Madl woa, imma so gaunz feine Stickereien gmochd. Sie woa gaunz begeistert davon. Fian Vota owa woa des bloß a Pemparei. Deswegn hod as in a Gschäft gsteckt. In a Büro.«⁴

Dann griff sie in ihre Schürzentasche und zog ein fein besticktes, weißes Taschentuch hervor, faltete es wie einen kostbaren Schatz auseinander und erklärte, dass dieses Tücherl die Reingard vor langer Zeit für die Sofie gemacht hätte, von der sie es dann auf Umwegen geschenkt bekommen hat.

»Gstickt hods leida nia mehr wos. Wer waß wos aus ihr wordn warad, waunns afoch Na gsogd hätt?«⁵ 

Das hätte mich allerdings auch interessiert. Vielleicht würde die Frau Reingard heute exklusive Tisch- und Bettwäsche nähen oder kleine Kunstwerke auf Handwerks- und Weihnachtsmärkten verkaufen. Vielleicht hätte sie einen kleinen, feinen Handarbeitsladen. Vielleicht wäre sie auch Designerin in einer Textilfabrik oder bei einem teuren Wäschelabel. So war sie aber nur froh, als sie endlich in Pension gehen konnte. Also was die Frau Squenz so erzählt hat.

Komisch ist nur, dass die Frau Reingard auch jetzt in ihrer Freizeit nicht viel mehr anzufangen weiß, als mit der Frau Squenz Mensch ärgere dich nicht zu spielen. Als ob sie ihren Traum vollkommen vergessen hätte. Natürlich freut sie sich diebisch darüber, wenn sie gewinnt. Aber lässt sich das mit der Lust am Sticken, Gestalten und Sticheln vergleichen? 

Ich jedenfalls folge jetzt meinem Stern, dem Schreiben und Lesen und Schreiben und Lesen und Schreiben …

Ok, es gibt auch noch andere Beschäftigungen für mich, aber am liebsten über allem mit Musik.

Mensch ärgerer dich nicht Brettspiel gezeichnet

¹ »Na jo, owa so is es jo die Meisten gaungan. In meiner Jugend hod ma fia a Lehrstöl sogor wos zohln miassn und maunche hobm daunn irgendwas aundas mochn miassn, wal si des midm Göld ned ausgaungan is.«

² »Na die Natur natirlich. Und ohne Musik warad des Lebm a nur hoiwad so schen.«

³ »Jo, des kenn i ah«, sagte die Frau Squenz. »Wia i die Mundharmonika kriagd hob, hätt i ah ned denkd, dass i no so vü Spaß damit hobm kennt.«

⁴ »Do foid ma ein, die Reingard hod friara wias no a Madl woa, imma so gaunz feine Stickereien gmochd. Sie woa gaunz begeistert davon. Fian Vota owa woa des bloß a Pemparei. Deswegn hod as in a Gschäft gsteckt. In a Büro.«

⁵ »Gstickt hods leida nia mehr wos. Wer waß wos aus ihr wordn warad, waunns afoch Na gsogd hätt?«