Liebe Clara,
Du weisst ja, dass ich regelmäßig Journal schreibe und auch für Ziele und To Do’s schon lange eine Struktur habe, die mir hilft am Ball zu bleiben. Ich bin ja auch jemand, die sowohl bei der Arbeit, als auch im kreativen Leben, eine gewisse Ordnung braucht. – Du kennst mich ja.

Wie schon erwähnt, nutze ich auch beim Romanschreiben eine Struktur. So habe ich zum Beispiel für die verschiedenen Szenen, Karteikarten mit Stichworten angefertigt oder einen Plan vom Schauplatz (dem Mietshaus) gezeichnet, damit ich auf einen Blick sehen kann, welche Figur wo wohnt. Und ich habe einen Zeitplan mit den parallelen Ereignissen erstellt. Aber dazu ein andermal.

Heute geht es um mein Notizbuch zum Roman schreiben, liebe Clara. Bisher hatte ich die jeweils rechte Seite zum Romanschreiben genutzt und die linken Seiten für nebenbei auftauchende Notizen. Dort landeten dann Ideen, Fragen, Rechercheaufgaben und so weiter. Das war nicht schlecht, aber jetzt weiß ich, es geht besser.
Bald stellte sich nämlich heraus, dass mit der Zeit einige linke Seiten nahezu leer blieben. Was für eine Verschwendung.
Aber was mich auf Dauer wirklich genervt hat war, Notizen zu einem bestimmten Thema wieder zu finden. Freilich hatte ich mir wichtig scheinende Infos auch im Index mit Seitenzahl notiert. Aber Roman schreiben ist eben nicht Roman lesen. Und hast du’s nicht gesehen, war so eine „wichtige“ Info im Rang der Bedeutung plötzlich unter ferner liefen. Und die wirklich wichtigen in der Menge anderer Notizen untergegangen. Kannst Du dir vorstellen wie ich dauernd am Blättern war?
Ich kann Dir sagen liebe Clara, dass mich die ewige Sucherei ganz schön viel Zeit gekostet hat. Aber Du weißt schon, der Krug geht so lange zum Brunnen bis… nein, bis man einen neuen Krug gefunden hat.
Die Idee zur neuen Strukturierung kam aus der Bullet Journal Methode. Unter folgendem Link findest Du mehr darüber: https://www.youtube.com/watch?v=fm15cmYU0IM. Und wenn Du es lieber kreativer magst, dann gefällt Dir vielleicht diese Variante: https://www.youtube.com/watch?v=d-8VHXw-mVM.

Das Beste an dieser Art der Planung ist aber, man kann es an die eigenen Bedürfnisse und Themen anpassen. Die Art, wie verschiedene Themen, Ideen und sogar unterschiedliche Notizhefte im Index wiederzufinden sind, hat mich auf die Idee gebracht mein Roman-Notizbuch neu zu ordnen. Und jetzt sieht es so aus:
Die ersten vier Seiten sind für den Index reserviert. Nur Geduld liebe Clara, wie ich auf einen Blick finden kann was ich gerade suche, erzähle ich dir am Ende dieses Briefes.

 

Die rechten Notizbuchseiten…

Romannotizen

Sind nach wie vor für Texte reserviert. Dort kommt alles hin, was mehr als ein paar Zeilen lang ist. Also Rohtexte natürlich, aber auch Interviews. Gleichgültig ob es sich bei Letzterem um ein echtes Interview für Recherchezwecke handelt oder um ein fiktives mit einer Romanfigur.

Auch zum Schreibdenken ist hier Platz – was ich manchmal tue, wenn ich an einer bestimmten Stelle festhänge. Ebenso findet hier die Ausarbeitung des Plots Platz und natürlich auch Entwürfe oder Fassungen für Exposé und Klappentext. Und selbstverständlich hat hier jeder Text eine passende Überschrift. Wobei diese Headlines keine endgültigen Titelideen darstellen, sondern in aller Kürze bezeichnen, worum es im Text geht. So haben meine Romantexte zum Beispiel die Überschrift „Die Kartoffellieferung“ oder „Am Kirchturm“. Plot oder Exposé Titel verstehen sich von selbst und „Interview mit…“ ebenfalls.

Beim Schreibdenken – also schreibend eine Idee finden – lasse ich vorweg die Überschriftenzeile leer. Denn oft stellt sich ja im Schreiben erst heraus, worum es eigentlich geht.
Und jetzt liebe Clara, weißt Du auch schon was ich jeweils in den Index eintrage: Genau, Du bist ja so fix! Den Titel vom Text und die dazugehörige Seitenzahl.

Lass uns nun zu den linken Seiten kommen. Denn genau dort herrschte bisher das unschönste Chaos. Jetzt aber finde ich dort hübsch geordnet die Themen, die beim Roman schreiben ebenfalls auftauchen. Der Unterschied zu vorher findet sich darin, dass ich für ein Thema, einen Bereich, eine ganze Seite benutze. Jede dieser Seiten bekommt eine eindeutige Überschrift, die ich dann im Index vermerken kann. Meine Themenseiten sind also:

 

Figuren (zb. Frau Skvenc die Hausmeisterin)

Wenn eine Figur feststeht, bekommt sie eine eigene Seite. Und wenn eine Seite nicht ausreicht, schreibe ich den Namen der Figur einfach auf eine weitere Seite. Das geniale daran liebe Clara ist, dass es nicht zwingend die folgende linke Seite sein muss, denn im Index finde ich die Seitenzahl und figurrelevanten Infos (alles was die Figur beschreibt, plus Ziele, Beziehungen, Biografie, Szenen, Fragen, Notizen, Ideen usw.) zack zack, auch wenn Teil eins auf Seite 7 zu finden ist und die Fortsetzung davon auf Seite 46.

Recherche

Genau, Recherche-Aufgaben kommen ebenfalls auf eine eigene Seite. Manche sind für die Story wichtig und werden im

Lauf des Schreibens abgearbeitet, andere erledigen sich von selbst, weil die Geschichte oder eine Figur eine überraschende Wendung nehmen. Letzteres ist auch schön und so oder so, lassen sich die Rechercheaufgaben im Index auf jeden Fall wiederfinden.

 

Kapitel

Eine eigene linke Seite spende ich auch der Kapitelübersicht, bzw. der Szenenfolge. Für beide Bereiche können sich im Schreibprozess natürlich Änderungen ergeben. Aber auch das Clara, ist jetzt kein Durcheinander von Einfügungen und Streichungen mehr. Die neue Szenenfolge bekommt einfach eine neue linke Seite mit dem Titel „Szenen 2. Fassung“. Auch das ist – voila – im Index leicht zu finden und zu vergleichen.

 

Ideen

Ja, kommen wir zu den Ideen, liebe Clara. Früher waren Ideen und Gedankenblitze zur Geschichte ebenso schnell aufgeschrieben, als sie beim Schreiben aufgetaucht waren. Zum Beispiel Begriffe, Ausdrücke, Synonyme, Sätze – die ich anderer Stelle eventuell verwenden wollte.
Und dann kam ich mit dem Schreiben an die besagte Stelle – und wo hatte ich nochmal die Notiz hingeschrieben…?

Ein andermal taucht im Schreibfluss eine Idee zu einer anderen Szene auf, denn beim Romanschreiben ist es ja oft wie im Leben, nix passiert isoliert für sich allein, alles ist irgendwie mit allem verbunden. Nun kann ich über den Index, auf meiner Ideen-Seite alle Eingebungen wiederfinden.

 

Figuren-Beziehungen

Da mein Roman über etwa fünfzig Jahre meiner Heldin erzählt, kannst Du dir sicher vorstellen, dass sie im Laufe ihres Romanlebens lange und kurze Beziehungen hat. Zum Beispiel zwischen ihr und ihrer Gegenspielerin. Oder zu ihrem Ehemann. Oder auch zwischen ihr und dem Sohn der Antagonistin.
Freilich hätte ich solche Notizen auch unter der jeweiligen Figur eintragen können, müsste dann aber auf der Suche danach, entweder zweimal blättern oder die Info unter beiden Figuren eintragen.

 

Orte – Dinge – Zauber

Stimmt Clara, für Orte habe ich auch eine Liste. Denn auch die Details von Schauplätzen will ich irgendwann wiederfinden. Würde ich eine Fantasy-Geschichte schreiben, dann wären Notizen über fantastische Landschaften, frei erfundene Städte und kreative Räume hierunter zu finden. Auch Ideen für zauberische Requisiten, ihre Wirkung, Zaubersprüche usw. Hätten eine eigene Seite, sodass keine geniale Idee verloren ginge.
Gut, du hast ja recht, manchmal stellt sich eine Idee im Schreibprozess als nicht gar so genial heraus oder passt dann doch nicht in die Geschichte. Aber besser einmal zuviel aufgeschrieben als zuwenig, nicht wahr liebe Clara?

 

Der Index

Bulletjournal

Wie schon oben angekündigt, komme ich nun noch einmal auf den Index zurück. Wenn ich hier nämlich alles tadellos eingetragen habe, dann sehe ich die Themen mit der jeweiligen Seitenzahl als Liste. Da diese Überschriften zu verschiedenen Themen bunt durcheinander gewürfelt aufscheinen, wie sie gerade entstanden sind, kommt es natürlich vor, dass die Listen zu einer Figur auf Seite 24, 38 und 44 zu finden sind.
Und weil ich keine Lust habe, jeweils den ganzen Index nach einer Info abzusuchen, mache ich mir auch hier das

Auffinden der richtigen Seite etwas leichter. So bekommen Figuren vor dem Indexeintrag zum Beispiel einen Stern, Rechercheseiten ein Auge und Romantexte einen Pfeil.

Selbstverständlich könnte man sich nun auch für Orte, Ideen, Dinge usw. Ebenfalls ein Symbol ausdenken und oft gebrauchte Hinweise farbig eintragen. Aber irgendwann muss auch Schluss sein mit der Ordnung, denn schließlich will ich ja auch noch zum Schreiben kommen. Oder?

Deine gut strukturierte Riki