Mein neues Ceranfeld in der Küche ist ziemlich sensibel. Jetzt nach dem zweiten Mal weiß ich aber, dass einmal zu weit über die Schaltfläche gebeugt ein ‘Error’ auslösen kann. Beim ersten Mal dachte ich allerdings: »Na super, kaum gekauft und schon kaputt!« Mit einem ‘Reset’ war dann alles wieder gut und meine Lieben durften sich doch noch über warmes Essen freuen.

Der Frau Squenz habe ich das auch erzählt. Sie hat mich nur verständnislos angesehen und gemeint: »Waunn ma waß wia ma a Feia mochd, kaunn des ned passieren.«¹ Überflüssig zu erklären, dass ich keinen Herd mit Feuerstelle zum Kochen habe. Hat ja kaum noch jemand. Sie sehen aber schon, da prallen Welten aufeinander.

Ich kann mich aber an den großen Herd in der Bauernstube bei meiner Großtante erinnern. Der wurde morgens angeheizt, hat ganz nebenbei auch die Stube und Warmwasser gewärmt und lief mit Nachlegen um die Mittagszeit zur vollen Leistung auf. Kundige Hände haben dann die Töpfe und Pfannen auf der großen Platte hin- und hergeschoben um zwischen anbraten, kochen, dünsten, brutzeln und warmhalten zu wechseln. 

Die Frau Squenz hat zwar einen viel kleineren Herd aber zusätzlich auch so eine einzelne elektrische Kochplatte, die sie meistens in der warmen Jahreszeit nutzt, weil sie für sich allein nicht so viel zu kochen hat, meinte sie. Wenn aber zufällig der Strom ausfällt, dann hat sie eben noch immer den Herd in dem sie Feuer machen kann.

Aber um zurück zur Überschrift zur kommen, es gibt ja auch noch andere Ausfälle und Störungen in meiner Welt. Bequemlichkeiten die so selbstverständlich scheinen, dass ich mir gar nicht vorstellen kann, es würde plötzlich nicht mehr funktionieren.

Wenn man so wie ich am Land lebt hat das zweifellos Vorteile. Licht und Luft und Grün und Stille zum Beispiel. Ich kann mich über Obst und Gemüse aus dem Garten erfreuen und bin mit ein paar Schritten im Wald usw. Sie wissen schon. Aber spontan eine Freundin im Cafe treffen oder so ist nicht. Deshalb fühle ich mich mit vielen Freunden, Bekannten, Schreibkolleginnen und sogar Familie über Facebook, WhatsApp und Instagram verbunden. Es lebe die Technik!

An diesem Tag allerdings hatte ich fast durchgängig mit den Vorbereitungen für meine nächste Lesung zu tun und wollte dann abends mal sehen was es im “Online-Dorf” Neues gibt. Anstatt Neuigkeiten kamen allerdings nur Fehlermeldungen. Über Stunden. 

Mein erster Gedanke war: ein Update hat die Apps abgeschossen. Mein Zweiter – ein Crash hat das Internet pulverisiert, denn plötzlich funktionierte auch bei anderen Apps die Verbindung ins Netz nicht. Dann tauchten so Gedanken auf wie: was wenn die ganze Online-Technik einfach perdu ist? Wie sieht dann meine kleine Welt aus???

Und gleich darauf wunderte ich mich einmal mehr, dass diese ganze Technik praktisch immer  funktioniert. Gut … fast immer. Und das vierundzwanzig Stunden täglich, das ganze Jahr hindurch. Das grenzt eigentlich schon an ein Wunder. Oder?

Auf jeden Fall habe ich abends noch mal die Frau Squenz besucht, die gerade mit einem Häferl Tee vor ihrer Hütte saß … weil ich ja sonst nicht mehr viel zu tun hatte. So erzählte ich ihr von Facebook & Co und meinen virtuell konservierten Kontakten. Sie darauf ganz erstaunt:

»Naa, wos es heitzutog ois gibd!«² Sie gab sich aber interessiert und ich konnte ihr gar nichts zeigen weil, Sie wissen schon, wegen dieser Störung. Also blieb es beim Erklären. Die Frau Squenz hörte interessiert zu und meinte dann: »Faißbuk, des hob i scho amoi irgendwo gheat. Des is jo Englisch, gö? Oiso buk waß i. Des is a Buach. Und Faiß, wortns amoi …«³ Ich wollte helfend einspringen aber die Frau Squenz winkte Stille gebietend ab. Denn auch beim Nachdenken lässt sie sich ungern stören. Auch nicht, wenn man ihr die Lösung am Silbertablett serviert. 

»Ahh, i waß scho! Des is des Gsichd. Faiß is af englisch des Gsichd, ned woahr? Oiso a Buach mit Gsichda. Nua hoid ned in echt.«⁴ Ich nickte amüsiert und dachte, ja, so könnte man es auch ausdrücken. Dann dachte sie schon wieder laut weiter.

»I glaub da Bua vun da Reingard hod ah scho amoi davon dazöhld und dass a do mid seine gaunzn Spezln vabundn is. I hob jo glaubd des is so a Oad Adressbuach wia sas aungeblich bei da Polizei hobm. Wissens scho, wo ma sie die Büda und die Nauman vun olle aunschaun kaunn, de si scho amoi wos zuschuldn kumman hobm lossn. Owa waunn Sie do a drin san und ihre gaunzn Freindinnan, daunn kennt i mi jo ah eintrogn, oda? Oiso waunn i a Internet hätt.«⁵ 

Ja freilich, pflichtete ich ihr bei und bot der Frau Squenz an gerne zu helfen. Aber davon wollte sie dann doch nichts wissen. 

»I triff die Leit liawa in natura. San eh ned so vü.«⁶, meinte sie dann.

Für mich war dieser Ausfall von Facebook, Instagram, WhatsApp usw. nach anfänglicher Verunsicherung – was wenn das ein Supercrash ist und ich muss zurück, oder besser vorwärts in eine netzfreie Ära…? – ein Glücksfall! Denn in der frei gewordenen Zeit habe ich nicht nur die Frau Squenz getroffen, sondern auch ein schreibtechnisches Problem gelöst, eine weitere Kurzgeschichte skizziert und nicht zuletzt diesen Beitrag geschrieben, den Sie jetzt gar nicht lesen könnten, wenn es kein Internet gäbe. 

Bildschirmstörungsbild gezeichnet

Übersetzungen:

¹ »Wenn man weiß wie man Feuer macht, kann das nicht passieren.«

² »Nein! Was es heutzutage alles gibt.«

³ »Facebook habe ich schon einmal irgendwo gehört. Das ist Englisch, nicht wahr? Also Book weiß ich. Das ist ein Buch. Und face, warten Sie kurz…«

⁴ »Ahh, ich weiß schon! Das ist das Gesicht. Face ist auf Englisch das Gesicht, nicht wahr? Also ein Buch mit Gesichtern. Nur halt nicht der echten Welt.«

⁵ »Ich glaube der Sohn von der Reingard hat auch schon einmal davon erzählt und dass er da mit seinen ganzen Kumpeln verbunden ist. Ich habe ja gedacht das ist so eine Art Adressbuch wie sie es angeblich bei der Polizei im Computer haben. Sie wissen schon, wo man sich die Bilder und Namen von allen ansehen kann, die sich schon einmal etwas zuschulden kommen habemn lassen. Aber wenn Się auch da drinnen sind und ihre ganzen Freundinnen, dann könnte ich mich ja auch eintragen, oder? Also wenn ich ein Internet hätte.«

⁶ »Ich treffe die Leute lieber in Wirklichkeit. Sind sowieso nicht so viele.«