In der vorletzten Woche von #TheBlogBang hat Judith Peters eingeladen einen Beitrag mit einer Bucket-List zu schreiben. Wenn ich da an mich denke, würde mir dazu schon einiges einfallen. 

Vor zwanzig, dreißig Jahren wäre meine Liste bestimmt sehr viel länger geworden. Werde ich nun im fortgeschrittenen Alter bescheidener? Wunschloser? Oder kommt vieles nicht mehr auf die Liste weil ich es schon mal erlebt habe? Oder bin ich einfach nicht mehr so abenteuerlustig? Erfolgshungrig? Neugierig? 

Darüber wollte ich mich unbedingt auch mit der Frau Squenz unterhalten. Und vielleicht haben Sie es sich bereits gedacht – wegen der Überschrift – so ganz nebenbei hat sie mir ein paar ihrer geheimsten Wünsche und Träume anvertraut. 

Wenn ich sie direkt gefragt hätte: »Liebe Frau Squenz, haben Sie so eine Löffelliste? Also eine Liste von dem was Sie schon immer gerne mal erleben, lernen oder ausprobieren wollten?« Ganz bestimmt hätte sie ein bisschen brummig die Stirn gerunzelt und gesagt: »Es muaß ned a jeda ois wissn«¹, und wie schon gehabt hätte sie das Thema gewechselt. 

Wenn Sie nun auf die geheimen Wünsche der Frau Squenz ebenso neugierig sind, wie ich es war, hier im nächsten Absatz sind sie. Sehr lang ist die Liste nicht, haben Sie sich wahrscheinlich auch schon gedacht, aber dafür typisch Frau Squenz.

1.Sie würde gern eine Flussfahrt bis zum schwarzen Meer machen. Aber nicht von Wien aus. »In Bruck an der Mur tät i auf a Schiff steigen, die Mur entlaungfoan durch Graz durch – is jo a a schene Stodt – weita iwa Wüldon und Lebring bis Spüföd und daunn gaunz bequem an da Grenz entlaungschippern bis ma hinta Bod Radkersburg noch Slowenien einischwimmt. Daunn tad I Slowenien durchqueren – is eh kloa – und in Kroatien auf die Drau wechseln. Und daunn gangads weida iwa die Donau bis ans schwoaze Meer. Und durt endlich, kummd des schenste, do kennt i daunn Kormorane und Schwäne beobochdn und Süwareiha und Graugäns und Löffla und wos es sunsd no an schene Vegl gibd.«² 

Als die Frau Squenz gedanklich im Biosphärenpark des Donaudeltas angekommen war, bekam sie ganz leuchtende Augen und ihr ganzes Gesicht strahlte wie eine Hunderter-Birne. Während ich noch erstaunt ihren Geografie- und Biologiekenntnissen lauschte und mich fragte ob diese Ortskenntnis aus acht Jahren Volksschulzeit wären, wischte sie ihre Traumreise mit einer raschen Handbewegung vom Tisch und meinte: »Na jo, des wollt i scho immer gern mochn. Owa i kaunn jo mein Goatn ned wochnlaung alanig lossn.«³ So schnell ist ein schöner Traum aufgegeben. 

2. Hat mir dir Frau Squenz verraten: »So a Maunnsbüd im Haus warad maunchmoi scho  a ned schlecht gwen. Aundrerseits owa muass i hoid a neamd nix frogn, waunn i wos wül.«⁴ Ehrlich gesagt glaube ich nicht, dass die Frau Squenz lange fragen würde, wenn sie etwas will, aber das habe ich lieber für mich behalten. Ich persönlich finde es schon zu zweit feiner, auch wenn man manchmal Kompromisse machen muss.

3. Ein Buch würde sie gern schreiben, hat die Frau Squenz dann angemerkt und ich frohlockte: ›Ja bitte! Dann würde ich viel mehr über Ihr Leben erfahren.‹ Aber kaum hatte ich das zu Ende gedacht sagte sie: » Naaa, ned iwa mei Lebm. Des is ned so intressant. Owa iwa die Reingard, mei ehemolige Nochborin. Do driwa kennt i gnua Gschichtn schreibm.«⁵

4. Dann erzählt sie mir gleich darauf, dass sie manchmal noch mit der Reingard Mensch-ärgere-dich-nicht spielen würde und dass sie dabei wenigstens ein einziges Mal gern gewinnen würde. Andererseits wäre das Gewinnen halt die einzige Freude der Reingard, hat sie schnell noch hinzugefügt, also sollte sie in Gottes Namen halt gewinnen.

5. Die Frau Squenz würde gerne jodeln lernen. Das hat sie nämlich in ihrer Jugend einmal erlebt, als sie auf einer Sennhütte ausgeholfen hat. »Von Oim zu Oim hobm sa si zuagjodld. Woa jo wia a eigene Sproch. Ana vun denen hod des jo bsundas guat kennan. Woa a fescha Kampl!«⁶ Bei diesen Worten färbten sich die Wangen der Frau Squenz ganz rosig und ich phantasierte mir zusammen, dass sie mit diesem feschen Burschen gern unisono gejodelt hätte. Aber nachfragen wollte ich dann doch nicht, denn sicher hätte ich wieder die schon bekannte Standardfrage für unerwünschte Fragen erhalten ›Es muaß ned jeda …‹⁷, Sie wissen schon.

6. Sie wünscht sich eine Schaukel. »A gaunz afoche, de ma unta an Bam hängen kaunn tadads scho tuan. Wal schaukln is fost a bissl wia fliagn. I kennt mas zumindest so vurstöln.«⁸

7. Etwas verschämt hat sie mir offenbart, dass sie gern einmal im Zirkus aufgetreten wäre. »Mit an schenan Kostüm, so wia de Künstlarin, de af an weissn Pferd in da Manesch ihre Kunststickln zagd hod.«⁹ Ehrlich gesagt, war ich ganz berührt davon, dass die Frau Squenz mir diesen Wunsch anvertraut hatte, denn solche Wunschträume überleben oft die ganze Kindheit bis ins Alter hinein. Und obwohl sie eine große Kraft haben, lassen sie sich häufig nicht verwirklichen. Das kennen wir doch alle, nicht wahr?

8. Der letzte Wunsch der Frau Squenz hat aber durchaus das Potential noch wahr zu werden, finde ich. Auf einen Berg möchte sie nämlich gern noch einmal. »Gaunz friah, damid i iwa die gaunzn Berggipfel segn kaunn, wia di Sunn aufgeht. Des tadad ma wirkli gfoin!«¹⁰ 

Das hat mich auch gleich an eines meiner schönsten Bergabenteuer erinnert. An die Bergketten in der Ferne, die Stille, das Frösteln, die Frage ob die Sonne zwischen den Wolkenbänken einen Spalt finden würde und diesem einzigartigen Moment als die ersten Strahlen durchbrachen. Ein unvergesslicher Augenblick.

Deshalb wünsche ich der Frau Squenz, dass sich ihre Hoffnung bald erfüllen wird. Ich halte ihr jedenfalls beide Daumen und Sie bestimmt auch. Oder?

Eine Schaukel hängt am Ast eines Baumes, rechts daneben eine blaue Blume


Übersetzungen:

¹”Es muss nicht jeder alles wissen.”

²”In Bruck an der Mur würde ich ein Schiff besteigen, die Mur entlang fahren, durch Graz hindurch – das ist ja eine schöne Stadt – weiter über Wildon und Sebring bis Spielfeld und dann ganz bequem an der Grenze entlang schippern bis man hinter Bad Radkersburg nach Slowenien hinein kommt. Dann würde ich Slowenien durchqueren – ist ja klar – und in Kroatien auf die Drau wechseln. Und dann ginge es weiter über die Donau bis an das schwarze Meer. Und dort endlich, kommt das Schönste. Da könnte ich dann Kormorane und Schwäne beobachten und Silberreiher und Graugänse und Löffler und was es sonst noch so an schönen Vögeln gibt.”

³”Na ja, das wollte ich immer schon gerne machen. Aber ich kann ja meinen Garten nicht wochenlang allein lassen.”

⁴”So ein Mannsbild im Haus wäre manchmal schon auch nicht schlecht. Andererseits aber, muss ich halt niemanden nichts fragen, wenn ich etwas will.”

⁵”Nein, nicht über mein Leben. Das ist nicht so interessant. Aber über die Reingard, meine ehemalige Nachbarin. Darüber könnte ich genügend Geschichten schreiben.”

⁶”Von Alm zu Alm haben sie sich zugejodelt. Das war wie eine eigene Sprache. Einer davon hat das ja besonders gut gekonnt. War ein fescher junger Mann.”

⁷Es muss nicht jeder alles …

⁸”Eine ganz einfache, die man unter einen Baum hängen kann, würde schon genügen. Weil schaukeln ist ja fast ein wenig wie fliegen. Zumindest könnte ich mir es so vorstellen.”

⁹”Mit einem schönen Kostüm. So wie die Künstlerin die auf einem weißen Pferd in der Manege ihre Kunststücke gezeigt hat.”

¹⁰”Ganz früh, damit ich über die ganzen Berggipfel sehen kann wie die Sonne aufgeht. Das würde mir wirklich gefallen.”