Mein größtes Hindernis ist derzeit meinen Roman fertig zu schreiben. Gefühlt habe ich bereits ein dreiviertel Jahr nichts daran gemacht. 

Genau besehen stimmt das zwar nicht, denn ich habe Figuren vertieft, mich mit Thema, These und Werten auseinander gesetzt und mich mit Strukturmodellen beschäftigt. Das alles zusammen ist ja nicht nichts. 

Daneben ist auch dieser Blog entstanden, mehrere Kurzgeschichten und ich bin mitten drin die Premiere meiner Lesung vorzubereiten. Genau gesagt mit Beteiligung der Frau Squenz. 

Das bedeutet erstens der Frau Squenz eine Aufgabe zukommen zu lassen, Plakate und Einladungen zu machen, eine Seite mit den Terminen auf meiner Homepage zu erstellen, vom Online-Marketing und Socialmedia ganz zu schweigen. Ufff!

Wenn ich das nun so schreibe, frage ich mich schon wann ich da noch Zeit und Energie zum Roman schreiben finden soll?

Ich glaube ich gehe jetzt ein bisschen zur Frau Squenz. Da ist es ruhig, da ist kein Schreibtisch, da sind keine Aufgaben die darauf warten abgehakt zu werden. 

»Maunchmoi gibds goa ka Hindaniss, sondan nua zvü Orweid«¹, meinte die Frau Squenz und damit könnte sie recht haben, nicht wahr?

Aber was soll ich jetzt tun? Etwas weglassen? Geht gerade nicht. 

Früher aufstehen oder später ins Bett? Wäre eine Möglichkeit. Hmmmm.

Noch länger am Schreibtisch sitzen? Ja schon. Da ist nur das Problem, dass der Mensch nicht dazu gemacht ist ständig zu sitzen. Also ich auch nicht. 

Draußen lockt mildes Herbstwetter und macht mir Lust auf einen Spaziergang. Also gehe ich nochmal zur Frau Squenz. Die wird sich wundern wenn ich schon wieder auftauche, denke ich noch.

»Na … warum? Hob i ma eh denkd, dass noamoi kumman«², hat sie gesagt. Und dann erzählt sie mir plötzlich vom Ernstl. Sie wissen schon, vom Sohn der Frau Reingard. Von damals als er noch ein Bub war und zur Schule gegangen ist.

»Da Ernstl hod si nämlich imma sehr schwer taun mid seine Hausaufgobm.«³ Dabei dachte ich: ja gut, aber was hat das jetzt mit mir zu tun und mit meinem Roman-Problem?

Die Frau Squenz muss mein ratloses Gesicht wohl richtig interpretiert haben, denn sie bat mich kurz zu warten und ging in ihre Hütte wo ich sie geschäftig werkeln hörte. Nach ein paar Minuten kam sie mit zwei Häferl Hopfentee heraus und reichte mir eine davon mit den Worten: »Des hüfd beim nochdenken.«⁴

»Oiso da Ernstl hod si bei seine Aufgobm ah imma gaunz schen plogd.«⁵ Ich versuchte einzuwenden, dass meine Aufgaben im Prinzip nicht zu schwierig wären, sondern einfach zuviel. Die Frau Squenz nickte wissend und fuhr unbeirrt fort: »Maunchmoi hod a sovü Aufgobm hambrocht, dass a do gsessn is wia des heulende Elend. Der hod nimma gwust wo eam da Schädl steht, geschweige denn wia er aunfaungan soll. I hob eam daunn ah imma glei an Hopfntee gmochd.«⁶

Ich musste bald zugeben, dass ich mich nach ein paar Schlucken Tee schon ein wenig entspannter fühlte. Ob das nun am Tee oder am Beispiel oder an der Ruhe der Frau Squenz lag kann ich jetzt nicht sagen. Das Problem mit dem Roman schreiben aber tröpfelte immer mehr an mir herunter, bis es mir nicht mehr gar so dringend erschien. 

»Es hod ois sei Zeit«⁷, meinte die Frau Squenz noch und irgendwie muss ich dort auf der Bank neben ihr sogar eingeschlafen sein. So entspannend war das. 

Und jetzt sitze ich hier und schreibe diese kleine Geschichte und wundere mich darüber warum es mir nicht gleich eingefallen ist. Nämlich, dass alles seine Zeit hat. Und dass das loslassen von Problemen neue Energien freisetzen kann. Der Roman wird kommen. Da bin ich mir jetzt ganz sicher!

gezeichnete Mauer mit einem Loch, davor ein großer Hammer

¹»Manchmal gibt es gar kein Hindernis sondern nur zuviel Arbeit. «

²»Nein … warum? Ich dachte mir schon, dass sie noch einmal kommen.«

³»Der Ernstl hat sich nämlich immer sehr schwer getan mit seinen Hausaufgaben.«

⁴»Das hilft beim Nachdenken.«

⁵»Also der Ernstl hat sich bei seinen Aufgaben auch immer ganz schön geplagt.«

⁶» Manchmal hat er so viele Aufgaben nach Hause gebracht, dass er da gesessen ist wie das heulende Elend. Der hat nicht mehr gewusst wo ihm der Kopf steht, geschweige denn wie er anfangen soll. Ich habe ihm dann auch immer gleich einen Hopfentee gemacht.«

⁷»Es hat alles seine Zeit«