Liebe Clara,
gerade habe ich mich gefragt, was mir hilft mit dem Schreiben stetig voran zu kommen. Und ganz ehrlich, mal ist es das eine, mal etwas anderes. Die Idee zu diesem Brief kam zum Beispiel aus einer Kombination von Lesen und Reflexion im täglichen Journal schreiben.
Genauer gesagt, bin ich gerade dabei erfolgreiche Muster zu finden, über die Arten wie man einen Roman schreiben kann. Nicht um sie 1:1 zu kopieren, sondern um zu verstehen wie andere schreiben und zu erkennen, was für mich und mein Schreiben brauchbar ist.
Diesmal geht es aber nicht um Strukturen und Techniken zum Roman schreiben, sondern um meine ganz persönlichen Schreibmuster. Denn ob du es glaubst oder nicht, ich merke zunehmend wie hilfreich es ist, sich auch im Schreiben selbst zu erkennen.

Stell dir vor, du könntest Fragen wie diese folgenden oder ähnliche mit einem Schnipp beantworten:
* An welchem Ort, zu welcher Zeit schreibe ich am besten?
* Wann komme ich ins Stocken und was zum H….. bringt mich wieder in Fluss?
* Was inspiriert mich zum Schreiben?
* Wie erkenne ich die Gründe für Blockaden?
* Und was hilft mir in meiner Kreativität?

Hier stimmige Antworten für mich zu finden klappt nur dann, wenn die Lösung in meinen Tagesplan passt, wenn ich es ausprobiert habe und wenn es meiner eigenen Art zu schreiben entspricht. Und wie du sicher einwendest, erheben die Fragen natürlich keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Vielleicht willst du aber die eine oder andere Möglichkeit ausprobieren und entdeckst dabei eine ganz neue, eigene Idee. Das wäre großartig!

 

Schreibzeit

Schreib-Zeit

Es gibt ja Autoren, die freiwillig um fünf Uhr aufstehen, weil sie zum Schreiben die morgendliche Ruhe lieben. Anderen bleibt nichts anderes übrig, weil das die einzige Zeit ist, in welcher sie ungestört schreiben können. Für mich funktioniert das nicht. Weil ich meistens bis Mitternacht lese, meine acht Stunden Schlaf brauche und definitiv kein Morgenmensch bin ist das keine Schreib-Zeit für mich.

Zugegeben, es gibt auch bei mir Geistesblitze im Morgengrauen aber die Regel ist das nicht. So brauche ich eher einen gemächlichen Einstieg in meine Schreibzeit. Der Kalender auf meinem Schreibtisch, liefert mir dazu täglich ein inspirierendes Zitat. Die Punkte am Tagesplan die nötige Struktur und Wasser oder Tee, sorgen für mein körperliches Wohlbefinden. Und dann bin ich bereit.

 

Schreiborte

Darüber habe ich ja auch schon an anderer Stelle geschrieben. Hier kannst du es nachlesen. https://rikiwunderer.at/tipps-gegen-schreibblockade/
Ob ich nun beim Schreibtisch sitze, im Wintergarten, im Studio oder draußen auf einer Bank – ich erkenne zunehmend, dass ich gutes Licht brauche. Am liebsten Tageslicht.
Und es ist nicht egal ob ich vor einer Wand sitze oder mein Blick in die Ferne schweifen kann. Fast möchte ich sagen, dass verschiedene Texte ihren eigenen Schreibort verlangen. Freilich ist das nicht immer so, aber es kommt schon vor, dass ein Text an einem bestimmten Ort besser in Fluss kommt.

Nicht unwichtig ist dabei auch die Sitzhaltung oder die Umgebung. Ich brauche z.Bsp. wirklich das Gefühl vollkommen ungestört zu sein. Telefon, Messenger und Co zu verbannen gehört da schon zur Routine. Aber manchmal genügt als Irritation schon eine tickende Uhr oder der Wind oder die Erwartung, dass gleich jemand in der Tür steht. Auf diese Weise für mich selbst zu sorgen ist nicht immer einfach, aber Nischen finden sich immer.

Sollte der Postbote klingeln oder eine andere unvermeidliche Störung meinen Schreibfluss unterbrechen, habe ich mir mittlerweile angewöhnt den Text mitten im Satz zu unterbrechen. Denn danach ist es viel leichter für mich in die Geschichte wieder einzusteigen.

 

Schreibblockaden überwinden

Schreiben

Meine wichtigste Erkenntnis dazu ist, Blockaden und Durchhänger haben immer einen Grund.Wenn ich aber den inneren Kritiker und Zweifler ausschließen kann, dann stellt sich mit hübscher Regelmäßigkeit heraus:

dass z.B. der Plot oder eine Szene hakt.

Dass eine Figur besser erkannt sein will.

Dass Beziehungen nach Klarheit verlangen.

Dass ein Detail unzureichend recherchiert ist und deshalb unscharfe Bilder liefert.

Oder dass ich mich in Belangloses verloren habe.

Auch diese Liste könntest du mit eigenen Gründen ergänzen, nicht wahr liebe Clara?
Lass uns also zum nächsten Punkt kommen: Was bringt mich wieder in den Schreibfluss?

 

3 Möglichkeiten zum Schreib-Flow

Alle meine Ideen um wieder ins Schreiben zu kommen, lassen sich tatsächlich in drei Kategorien einordnen. Vielleicht hast du ja noch weitere Ideen, dann gratuliere ich dir herzlich, liebe Clara!
Hier ist also mein Erste-Hilfe-Koffer für die Lust am Schreiben.

Journal schreiben

Jetzt denkst du vielleicht häää? Schreiben, wenn ich nicht weiterschreiben kann? Ja Clara, für mich hat sich das Freewriting als probates Mittel gegen Schreibhemmung herausgestellt. Ich schreibe, wie im „Weg des Künstlers“ von Julia Cameron, einfach drauflos was mir gerade so durch den Kopf geistert. Und wenn mir nichts mehr einfällt, schreibe ich auch das, bis die Gedanken wieder in Fluss kommen.

Wenn ich in einem Text nicht mehr weiter komme, stelle ich zusätzlich Fragen an den Anfang des Freewriting, wie zum Beispiel:
Warum bleibe ich gerade an dieser Stelle hängen?

Was stört mich?

Was fehlt mir um weiter zu schreiben?

Womit kann ich anfangen?

Was kommt als nächstes?

Denn Fragen öffnen den Geist, wie du ja weißt. Dabei versuche ich aber nicht aktiv nach Antworten zu suchen, sondern schreibe einfach nieder wie es kommt. Manchmal kommt beim ersten Mal eine Idee, ein andermal tauchen neue Fragen auf.

Aber fast immer, finden sich auf diese Art kleine und größere Schätze die mich in meinem Schreibprojekt weiter bringen.

Bewegung

Schreib-Flow

Bestimmt hast du selbst schon festgestellt, dass dir unterwegs die Ideen ganz leicht zugeflogen sind, worüber du am Sofa stundenlang gegrübelt hast. Nicht umsonst haben ja viele berühmte Schriftsteller dem Spaziergang einen fixen Platz im Tageslauf eingeräumt. Ich kann nur sagen, es hilft ungemein.

Manchmal genügt es, einfach aufzustehen und Tee zu machen. Ein anderes Mal brauche ich den Wald- oder Wiesenweg um beim Schreiben wieder in Bewegung zu kommen.

Dann und wann ist auch körperliche Anstrengung oder ein Ausblick in die Ferne hilfreich. Jede dieser Möglichkeiten ist mir zum Schreiben jedoch ein Gewinn.

Bleibt noch der dritte und letzte Punkt, liebe Clara.

Etwas anderes tun

Du sitzt vor deinem Text, hast schon alles versucht und kommst trotzdem nicht weiter? Aber du willst das Problem unbedingt gelöst haben. Willst zu einem Ende kommen. Jetzt! Sofort!? Kennst du das? Ich schon.

Bis ich mir die entscheidende Frage stellte, ob mein Leben davon abhängt. Da erkannte ich, dass sich ein Knoten immer enger zusammen zieht, je heftiger man daran zerrt. Das Problem einfach los zu lassen, kann manchmal ungeheuer befreiend sein. Probier es aus. Lass deinen Text etwas abliegen. Mach eine Pause und tue etwas anderes.

Malen, stricken, reiten, singen, einkaufen, spielen, eine Collage kleben oder auch einen Schreibkurs besuchen. Letzteres tue ich nicht, um eine Antwort auf mein Problem zu finden sondern um neue Ideen aufzusammeln, neue Techniken kennen zu lernen oder neue Anfangsfäden zu finden. Um einfach wieder Anschluss an die Lust zu finden.

Und siehe da, nicht selten führen diese Fäden zu jenem meiner unterbrochenen Geschichte. Und schon geht es weiter.

Ich hoffe es geht auch für dich mit viel Spaß und Neugier immer weiter und weiter und weiter und vielleicht hilft dir dabei die eine oder andere Idee meiner Sammlung. Das würde mich freuen!

Bis bald deine erkenntnisreiche Riki