Heute wurde ich gefragt was die Krönung des Monats im August war. Das Highlight. Der Höhepunkt?

Da musste ich nicht lange nachdenken: Natürlich das Wiedersehen mit der Frau Squenz und als Sahnehäubchen darauf, meine erste Live-Lesung aus meinem Buch »Von Glücksrittern und Alltagsheldinnen« – wie könnte es anders sein – auch mit der Frau Squenz. 

Nein, nicht als Zuhörerin – die Geschichten die am Programm standen kennt sie bereits – sondern als Empfangskomitee und Alleinunterhalterin für meine wunderbaren Gäste. Und es wäre ja nicht die Frau Squenz, wenn sie nicht auch etwas zu erzählen gewusst hätte. Von ihrer unvergleichlichen Art des Ressourcen-Sparens zum Beispiel:

Dass sie keine Mikrowelle und erst recht keine Eieruhr braucht, davon habe ich im letzten Blogbeitrag berichtet. Jetzt weiß ich, dass sie auch keinen Geschirrspüler hat. Aber ehrlich gesagt hätte mich das auch gewundert, denn so ein Gerät würde in der Hütte der Frau Squenz tatsächlich wie ein Fremdkörper wirken. Das wäre gerade so, als würde ich ein paar Stunden auf einen Berggipfel hinaufwandern und statt dem Gipfelbuch wäre da im Kästchen unter dem Kreuz ein Smartphone zum Eintragen. Sie sehen, die Frau Squenz und ein Geschirrspüler, die gehen einfach nicht zusammen.

»Mixa hob i a kan.«, hatte sie gleich anschließend klar gemacht und ich fragte mich ob sie in ihrer Hütte überhaupt Strom hätte?

Aber halt! – Das konnte nicht sein, denn es gab ja dieses Radio mit welchem sie so gern Musik hört. Auch das habe ich schon an anderer Stelle erzählt. 

Während ich noch mit der Stromfrage beschäftigt war, hatte die Frau Squenz auch schon die Frage mit dem Mixer geklärt. 

»Waunn i ma a Möspeis mochn wühl, daunn nimm i die Schneeruatn.« Die entsprechende Handbewegung der Frau Squenz weckte meine Erinnerung an händisch geschlagenen Eischaum und luftigen Schnee. Ich sehe die Schneerute am wirbelnden Handgelenk, die so lange rührig war bis die rohe Zutat zum vielfachen Volumen angewachsen und die ursprüngliche Konsistenz nicht mehr erkennbar war. 

Natürlich hat man zwischendurch das malträtierte Handgelenk ausgeschüttelt und am Ende den Finger in die sämigsüße Eimasse gesteckt, um sich für die Anstrengung zu belohnen. Auch daran erinnerte ich mich.

Wirklich schweißtreibend war aber die Bearbeitung eines Germteiges mit einem Kochlöffel. 

»Friara hod ma jo Kuchlmaschin a kane ghobd.«, bemerkte die Frau Squenz dazu. »Owa so an Guglhupf oda Mohnstriezl woa di Aunstrengung scho wert. Hods jo ned olle Tog gebm.« 

Richtig, dachte ich, so eine Mehlspeise gab es nicht einmal jeden Sonntag und war wirklich etwas Besonderes. In dieser Erinnerung stieg mir der Duft von Vanille, Rum und Zimt in die Nase und das Bouquet von frisch gebackenem Kuchen, der bis zum Sonntagmorgen noch in der Luft lag und auf die goldgelbe Kuchenfreude zum Frühstück Appetit machte. 

Dafür lohnte es sich auch den Teig zu schlagen bis er unter der Bearbeitung mit dem Kochlöffel glatt und seidig geworden, große Blasen bildete. Dafür lohnte auch das ganzheitliche Körpertraining und die blauen Flecken auf den Oberschenkeln, verursacht vom entfesselten Teigschlagen im Weidling.

Aber ich merke, dass ich eigentlich von der Lesung mit der Frau Squenz erzählen wollte. Bestimmt haben Sie schon bemerkt, dass mich die Sätze und Geschichten der Frau Squenz in längst vergangene Zeiten katapultieren. Vielleicht geht es Ihnen ja genauso?

Während ich mich also in aller Ruhe auf die Lesung vorbereiten konnte, hat die Frau Squenz währenddessen im Garten meinen Gästen von den Waschsitten ihrer Kindheit erzählt.

»Wia i no a Kind woa hods jo Woschmaschin a kane gebm. Amoi im Monat woa a großa Woschtog. Do hobm mei Mama und die Großmuatta in großn Kessl einghazd mid da Laugn drin und daunn is griad und grumpld woan. Damid ois sauba wird. Nocha haums vum Kirschbam iwan Birnbam, die fünf Opflbam bis zum Zwetschgnbam hintre a Leine gspaunt und do drauf hod da Wind daunn die Wäsch trockn blosn.«

Also an die flatternde große Wäsche im Garten konnte ich mich auch noch erinnern. Ich fand das als Kind immer großartig zwischen den sich bauschenden Leintüchern und Überzügen hin- und herzulaufen, mit den Händen am Weiß der Stoffbahnen entlang zu streichen und mich wie eine Windsbraut von hierhin nach dahin und wieder zurück treiben zu lassen.

Aber ehrlich gesagt, würde ich heute auf die Waschmaschine nicht gern verzichten wollen. So lange aber draußen Schönwetter herrscht, hänge ich die Wäsche ebenfalls im Garten zum Trocknen auf. Zwar nicht zwischen den Obstbäumen, die wären für so eine windige Last viel zu klein und schwächlich, aber hinaus an die frische Luft. Wäsche die nach Wind und Sonne riecht bügle ich einfach ungleich lieber als die langweiligen Geruchsberge aus dem Trockner.

Ob die Frau Squenz eine Waschmaschine hat, weiß ich jetzt nicht. Aber ihre Wäsche hängt sie im Freien hinter ihrer Hütte auf. Das habe ich schon gesehen. Sogar dann wenn es draußen bereits frostig ist. Da habe ich sie bereits beobachten können, wenn sie ihre steif gefrorenen Blusen und Unterhosen von der Leine genommen hat.

Am Tag meiner Lesung allerdings nicht. Denn da gab es immer wieder Regengüsse. Nur die Frau Squenz wurde während ihres Auftritts mit blauem Himmel bedacht. Ob sie da eine Vereinbarung mit höheren Mächten hatte? Vielleicht weil sie beim Eier kochen heilige Lieder singt? Oder kann man da einfach von Zufall oder Glück reden?

Auf jeden Fall war die Lesung ein Fest für mich und für die Frau Squenz bestimmt auch.

gezeichnetes Buchcover von Glücksrittern und Alltagsheldinnen


Übersetzungen:

Elektrischen Mixer habe ich auch keinen.

Wenn ich mir Mehlspeise backen will, dann nehme ich eine Schneerute.

Früher hatte man auch keine Küchenmaschine. Aber ein Guglhupf oder Mohnstriezel (aus Hefeteig) war die Anstrengung schon wert. Das hatte man ja nicht jeden Tag.

Weidling: Eine große Schüssel mit Griffen auf beiden Seiten, früher aus Email statt Plastik.

Als ich noch ein Kind war, gab es auch keine Waschmaschine. Einmal monatlich war großer Waschtag an welchem meine Mutter und die Großmutter den großen Kessel mit Waschlauge eingeheizt haben. Dann ist gerührt und gerumpelt worden damit alles sauber wird. Danach wurde vom Kirschbaum über den Birnbaum, die fünf Apfelbäume bis ganz nach hinten zum Pflaumenbaum eine Leine gespannt. Darauf hat der Wind die Wäsche trocken geblasen.