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Dabei erinnere ich mich an meine Mitschriften in Schulheften, die im Laufe eines Schuljahres immer nachlässiger und eiliger wurden. Die Schrift zeigte zunehmend das verlorene Interesse oder die Frustration am Schreiben. Oder beides gleichzeitig.

Das „schreiben müssen“ oder abschreiben ohne Sinn und Verstehen. Ein Abbild dafür, was ich im Kopf behalten und bei Abfrage wiedergeben sollte. Vorgekaut und angeblich leicht verdaulich, ohne damit jemals ein Erleben verbunden zu haben. Die Seiten sollten quasi vorwegnehmen, was ich später bei Überprüfung des Geschriebenen nur lückenhaft wiedergeben konnte.

Sicher hätte ich mich mehr bemühen, besser aufpassen oder mehr schreiben können. Aber ehrlich gesagt, ist mir nichts davon, was ich jemals in Schulheften notiert hatte, in Erinnerung geblieben.

Erzwungene Erinnerung – woran eigentlich? An die Buchstabenwüste die keine Bilder aufrufen, kein Nachempfinden? Futter für den Kopf, das aber Körper, Herz und Sinne unberührt lassen. Kein Wunder, dass das Bild des Trichters, in welchen man alles Wissenswerte und Unwerte einfüllt was angeblich in den Kopf soll, nach wie vor so beliebt ist.

Viel lieber wäre ich damals wie heute in eine Schule gegangen, die das direkte Erleben ermöglicht, meine Experimentierlust und Neugierde herausgefordert, einen Raum für Erkenntnis, Irrtum und Gelingen geöffnet hätte. Und welche nicht fertige Antworten sondern neugierige Fragen aufgeworfen hätte.

Dann nämlich wäre hier tatsächlich etwas zu Schreiben gewesen. Dann hätte ich einen persönlichen Weg zum Ziel finden und in Worte fassen können. Ordnen und strukturieren, reflektieren, wichtiges von unwichtigem trennen und in Erinnerung an den Weg des Gelingens, später im Geschriebenen sehr detailliert wiedergeben. Das ist es, was mir mit dem Schreiben und aufschreiben heute noch nachhaltiger im Gedächtnis bleibt.