Wir alle kennen welche und niemand will sie wirklich haben. Also die negativen Glaubenssätze, wie zum Beispiel: ich bin nicht gut genug, zu alt, zu langsam, alle anderen können das besser, oder Erfolg muss man sich hart erkämpfen oder das schaffe ich sowieso nie. Sie wissen schon!

Wenn ich allerdings weiß von welchen Glaubenssätzen ich blockiert oder angetrieben werde, ist es ja nicht ganz so schlecht. Denn dann habe ich so eine angezogene Bremse schon einmal erkannt und lokalisiert. Vielleicht hat es so ein Glaubenssatz sogar soweit in mein Bewusstsein Einlass gefunden, dass ich auch die Spur der Entstehung und Nützlichkeit gefunden habe. 

Dann nämlich kann ich sagen: Aha, da bist du wieder! Vielen Dank, dass du mich aufmerksam machst und bis hierhin beschützt hast, aber jetzt kannst du dich wieder zur Ruhe begeben, denn ich will eine neue Erfahrung machen … meinen Horizont erweitern … mich zur Decke strecken … oder dem Himmel entgegenwachsen. 

Blöd ist nur, wenn ich keine Ahnung habe, dass solche Glaubenssätze immer wieder Sand in mein Lebensgetriebe streuen. Denn so ein Satz ist ja schnell dahingesagt. Irgendwo, irgendwann einmal in einem emotionalen Moment oder als immer wiederkehrendes Mantra aufgeschnappt, plappert man so einen Satz dann ungefragt nach und hält ihn für wahr. 

Natürlich habe ich dazu auch die Frau Squenz befragt. Also nicht über ihre eigenen Glaubenssätze, das wäre ihr wohl zu persönlich gewesen. Aber so grundsätzlich zum Thema Glaubenssätze die häufig im Weg herumstehen. 

Zum Beispiel so ein hingemurmeltes: »Dazu bin ich nicht gut genug.« Kennt vielleicht die/der Eine oder Andere, nicht wahr?

Also ich schreibe zum Beispiel ein Buch und dann lese ich eines, das ich ausnehmend schön und großartig finde. Und dann denke ich: das ist ja eine wahre Meisterin des Erzählens. Die Beschreibungen berühren nämlich alle meine Sinne, die Figuren sind wahrhaftig und die Geschichte so lebendig, dass sie mich in die mit Worten geschaffene Welt förmlich hineinzieht. Und dann taucht so ein Gedanke auf wie: »Ach, diese Autorin ist eben ein Genie, das schaffe ich niemals.« 

Die Frau Squenz hatte dazu eine ganz einfache Strategie: »Waunn ma zvü nochdenkt iwa sowos, kummd ma ned ins Tuan.«¹ Dabei rührte sie in der Pfanne herum in welcher gerade die Kartoffel für ihr Mittagessen brutzelten. 

»Dabei foid ma ein, die Soferl, a friare Bekaunnte vum Nochborhaus, de hod a oft gsogd: naa, des kaun i ned, so guad kaunn i nie werdn, des schoff i eh ned. Und daunn hod sie’s ned amol probiert. Eh kloar, dass sie mit suichane Sätze ned weida kumman is. Hod imma nur tramd vum gaunz grossn Glick.«²

Da ist was dran, denke ich und bin am überlegen, von wie vielen Versuchen, Irrtümern, Schreiben, Korrigieren und Streichen und wieder Schreiben so ein von mir bewunderter Text wohl unterzogen war – wenn ich beim Beispiel Buch und Meisterschaft im Schreiben bleiben würde.

»Ka Meista is no vum Himmel gfoln«³, konterte die Frau Squenz und mir fiel dabei diese 10.000 Stunden Regel aus dem Buch von Malcolm Gladwell über »Die Geheimnisse der Erfolgreichen« ein. Demnach fand man heraus, dass diejenigen am erfolgreichsten auf ihrem Gebiet waren, die insgesamt bereits 10.000 Stunden Übung vorweisen konnten. 

Das wären dann zum Beispiel 90 Minuten täglich immer wieder anfangen, üben und weitermachen über 20 Jahre hinweg. Also nix von wegen Talent oder Genie, sondern üben und immer besser werden. 

Die Frau Squenz schien mir von dieser Regel auch zu wissen, denn während sie die angerösteten Kartoffel vom Pfannenboden kratzte, meinte sie noch:

»Waunn i jetz laung iwalegn tät, ob die Erdäpfel bessa aunbrotn tätn, waunn i stott die Sieglinde ane Annabell oda die Kipfler nimm, daunn kamad i ned amoi zum Kochn, geschweige denn zum Essen. Kloa is ma ah scho amoi wos aunbrennt dabei und daunn ärger i mi natirlich driwa. Und waunn i a neiche Sortn hob brauchts a bissl Herumprobieren, owa waunn mas genau nimbd sans jo jedesmoi nur neinzg Minuten und mit jeden Moi kaunn i a klans bissl bessa werdn.«⁴

Ja stimmt, dachte ich, es sind nur 90 Minuten täglich und wenn die Sofie, die ehemals Bekannte der Frau Squenz, damals einfach einmal angefangen hätte mit dem Tun und Üben anstatt herumzujammern, wer weiß wo sie heute schon gewesen wäre. 

Vielleicht aber hat sie ja doch noch diese hinderlichen Glaubenssätze entdeckt und aus ihrem gut geschützten Versteck geholt? Vielleicht hat sie sogar dieses eingangs erwähnte Buch geschrieben? Was stand da gleich nochmal am Buchrücken? Sof…? Ich gehe jetzt nachsehen!

Eine Pflanze keimt unter der Sonne

Übersetzungen:

¹»Wenn man zu lange über so etwas nachdenkt, kommt man nie ins Tun.«

²»Dabei fällt mir ein, die Sofie, eine frühere Bekannte vom Nachbarhaus, hat oft gesagt: nein, das kann ich nicht, so gut kann ich nie werden, das schaffe ich sowieso nicht. Und dann hat sie es nicht einmal probiert. Ist ja klar, dass sie mit solchen Sätzen nicht weiter gekommen ist. Hat immer nur geträumt vom großen Glück.«

³»Es ist noch kein Meister vom Himmel gefallen.«

⁴»Wenn ich nun lange überlegen würde, ob die Kartoffel besser anbraten würden, wenn ich statt der Sieglinde die Annabelle oder die Kipfler nehme, dann käme ich nicht einmal zum Kochen, geschweige denn zum Essen. Klar ist mir dabei auch schon einmal etwas angebrannt und dann ärgere ich mich natürlich darüber. Und wenn ich eine neue Sorte habe, muss ich erst Herumprobieren, aber wenn man es genau nimmt, sind es ja jedesmal nur neunzig Minuten und mit jedem Mal kann ich ein kleines bisschen besser werden.«