Gestern habe ich die Frau Squenz mit ihrem Körbchen im Wald gesehen. Diesmal hat sie aber keine Pilze gesammelt.
Zuerst tat sie ganz geheimnisvoll. Es sei ja eine Überraschung meinte sie.
Ich dachte schon, dass sie vielleicht mich überraschen wolle, hatte mich insgeheim schon gefreut und dann tauchten bei mir jene Bilder auf, als ich mit meiner Familie und einem Onkel am Ostersonntag nachmittag im Wald unterwegs war. Ich hatte auch so ein Körbchen wie die Frau Squenz, nur viel kleiner. Dem Alter entsprechend eben.
Auf jenem Spaziergang fand ich über die gesamte Wegstrecke sehr viele Eier. Wenn ich heute darüber nachdenke, hätte diese Menge nicht einmal im Korb der Frau Squenz Platz gehabt. In meiner damaligen Miniausgabe schon gar nicht. Es war wie das Mysterium der wunderbaren Vermehrung. Nur das Gegenteil davon.
Zuhause angekommen, waren aber doch noch drei, vier Präsente des Osterhasen darin.
Deshalb dachte ich jetzt, dass die Frau Squenz auch ein Kind überraschen will, als sie mir die bunten, ausnehmend hübsch bemalten Eier im Korb zeigte.
“Na, naa … i hob jo kane Kinda und die, die i kenn, de san olle scho groß.”¹ Dann wand sie sich etwas und wollte sich mit einem verschmitzten Lächeln schon aus dem Staub machen.
Aber so leicht gab ich nicht auf.
“Mir können sie es doch sagen”, kochte ich sie schmeichelnd weich, “ich sage es eh nicht weiter.”
“Na fia mi!”, platzte sie dann heraus. “Glaubms i feia kane Ostern? Des wär jo wia Weihnochtn ohne Vanillekipferl.”²
Dann erklärte sie mir, dass sie die Eier bereits Anfang der Karwoche verstecken würde, denn bis zum Ostersonntag hätte sie schon vergessen wo das genau gewesen wäre. Und dann würde sie sich ganz narrisch – ja sie verwendete genau diesen Ausdruck – also ganz narrisch freuen. Manchmal würde sie auch nicht alle finden. Aber das mache ihr nichts aus, denn das würde das Eiersuchen ja gerade spannend machen. Man wisse nie, wie viele man finden würde.
Sie erzählte mir auch, wie sie ihren Ostersonntag feiern würde. Am Morgen würde sie natürlich aufstehen und Kaffee machen. Dann den kleinen Striezel mit Hagelzucker aus dem Backrohr nehmen und sich für das Frühstück ganz viel Zeit lassen. Den Striezel möge sie am liebsten in dicke Scheiben geschnitten mit ein bischen Butter darauf. Anschließend würde sie dann zum Eiersuchen in den Wald aufbrechen. Mittags gäbe es dann eine geselchte Suppe mit Speckknödel und abends, nach dem Osterfeuer – ein ganz kleines, mit einem großen Kübel Wasser daneben, versicherte sie mir, sie wolle ja nicht den Wald abfackeln – gäbe es dann die Osterjause mit Schinken und Eiern und ein paar Essiggurkerln und Kren natürlich.
Und da die Frau Squenz die Wurst, also den Schinken, nicht ohne Brot essen würde – wie sie sich ausdrückte – wird sie am Karfreitag noch eines backen. Mit Kümmel und Fenchel, sagte sie, weil das so gut riecht und auch für die Verdauung gut sei.
Ich fand es ein bisschen schade, dass die kunstvoll bemalten Eier dieses Festmahl nicht überleben würden. Aber die Frau Squenz sagte:
“Des mochd jo nix, näxtes Joahr kummt jo wieda Ostern, daunn mol i ma wieda neiche.”³
Auf jeden Fall wünschte ich ihr ein frohes Osterfest und dass sie viele ihrer versteckten Eier finden möge.
Und mit oder ohne Eiersuche wünsche ich auch ihnen frohe Feiertage!
Übersetzung:
¹”Nein, nein … ich habe ja keine Kinder und die, die ich kenne, die sind alle schon groß.”
²”Nein für mich!” “Glauben Sie ich feiere keine Ostern? Das wäre ja wie Weihnachten ohne Vanillekipferl.”
³”Das macht ja nichts, nächstes Jahr kommt ja wieder Ostern, dann male ich mir wieder Neue.”